Nachdem ich die beiden Schafromane gelesen habe, mahne ich
mich wieder zur Mäßigung. Die widderliche Ungeduld will jegliches zukünftige Geschehen am liebsten
mit Lichtgeschwindigkeit herbeiführen. Ich renne dann wie wild an der Spitze
und merke erst viel später, dass hinter mir niemand mehr ist, geschweige denn
neben oder bei mir. Das ist nicht lustig. Mann, ich habe so viel Energie
verbrannt, für umsonst. Na ja, fast, ich bleibe in Form. Aber der Preis ist
hoch. Nicht noch so ein würziges Kraut wäre ein Trost (Euphrasia). Das bedeutet warten. Ich bin ja auf den Moment gespannt, da mal eine(r) mit
mir voranprescht und mir die Spitze streitig macht. Oder sie unattraktiv macht,
weil das Gemeinsame viel interessanter
wird. Das bedeutet warten. Das ist widder schlecht, denn alles was ich will,
ist wollen.
Mittwoch, 30. Mai 2012
Dienstag, 29. Mai 2012
Blueline
Blueline
Dieses Mal suche ich dich –
und finde dich nicht. In deinen Universen kenne ich mich nicht aus. Ein halbes Jahr ist vergangen und die Sprachlosigkeit hat mich zutiefst
verunsichert. Unverbindliche Blicke und demütigende Routine. Dann plötzlich eine
Energie, deren Quelle ich suche, ich blicke mich um und fange an zu beobachten.
Warum gibst du dich nicht zu erkennen. Ich schwebe zehn Meter über mir und
meine Wege sind rote Linien, die sich nicht mit anderen Wegen kreuzen. Nur eine
andere blaue Linie läuft fast parallel,
mal näher mal weiter weg, wieder nah. Bist du das. Ich gewöhne mich an die Nähe, beginne sie
zu vermissen, wenn sie sich nicht einstellt, gehe ich ihr entgegen. Ein
einziger Augenkontakt gibt mir Nahrung für einen ganzen Tag. Du siehst völlig verändert aus. Was bedeutet das. Bist du das wirklich. Ich bin verwirrt und bald ist das Wenige nicht mehr genug. Blödes Vergissmeinnicht (Miosotis) blüht überall.
Montag, 28. November 2011
back
Ich fange jetzt wieder an zu berichten. Bin fünf Monate mit Andi in einem anderen Sonnensystem gewesen, habe Sand geatmet und Schwefel gespuckt. Trotzdem sind meine Atemwege frei und meine Augen so klar wie nie. Der Horizont ist eine Kurve. Das Dauerhoch der Schwerelosigkeit ist zu Ende, aber Andi kennt (natürlich) einen Weg, wie ich ein künstliches High erzeugen kann. Es bleibt ein Geheimnis, so lange, bis er wieder Geld braucht, um weiterzuziehen. Auf der Straße scheine ich zu leuchten wie ein Neon. Freundlich wenden sich fremde Menschen an mich mit Fragen zum Weg dort und dahin. Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt. Ich kenne mich zwar nicht überall aus, aber eine konkrete Antwort akzeptieren sie alle. Abends jongliere ich mit Mandarinen. Es duftet nach Tannen (abies).
Freitag, 12. August 2011
selfish brain
Dass das Gehirn eine eigenständige Existenz im Körper führt und den Rest seiner stofflichen Umgebung komplett durcheinanderbringt, kenne ich. Verliebt sein und Nichteinschlafenkönnen sind die besten Beispiele. Warum die Person der Begierde sich derart tief in die hinter der Netzhaut liegende Kodierung des Beuteschemas brennen muss, so dass die unfreiwillige Tätowierung bis in die Gedärme rumort, weiß nur das Gehirn. Die damit verbundene Schwierigkeit einzuschlafen, weil die Herzfrequenz auf ja, ich will, egal wie spät es jetzt ist und eigentlich haben wir uns noch gar nicht kennengelernt, getuned ist. Und obwohl ich weiß, dass hinter diesem selfish brain-Unfug meistens Andi steckt, gehe ich immer wieder in die Falle. Liege im Dämmer auf der linken Seite und mein Herz hämmert mir an die Rippen. Drehe mich auf die andere Seite, das Gehirn geht auf remote und spielt mir zum xten Male die Szene der ersten Begegnung vor. Ich vergesse sie nicht!! Macht es Sinn, mit dem eigenen Gehirn zu sprechen? Unterscheidet mich das von einer Pflanze, zum Beispiel einer fleischfressenden Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)?
Mittwoch, 20. Juli 2011
Mein Schatz
ist groß. Er kam vor geraumer Zeit unerwartet als Mädchen zur Welt, die mir meiner rosigen Erscheinung wegen einen gesunden Jungen eingeredet hat. Nun schauen alle auf diese schöne Tochter und ich bin so stolz wie Oskar - wie sie vielleicht heißen würde wäre sie kein Mädchen geworden. Jedes Jahr Sommergeburtstage mit kichernden Mädchen und dem einen Jungen, der seit dem Kindergarten ihr bester Freund geblieben ist. Er kauft ihr ein Kleid, sie berät ihn in Beziehungsfragen, seine Freundin ist eifersüchtig auf sie, ihr Freund und er sind gute Freunde. Sie sind im gleichen Monat geboren und seine Mutter gab ihm Puppen in die Hand, die er wie Bagger einsetzt und die Erde damit aufwühlt. Wir lachen darüber was vorher ernst gemeint war, die beiden sind wie die Blütenkätzchen einer Weide (Salix), silber ist der Glanz auf ihrer Haut und ihre Unbekümmertheit ist ansteckend.
Freitag, 17. Juni 2011
Glühend heiß
fließt die Lava unter unseren Füßen. Nur ein kleines Stück Straße trennt uns vom Feuer, wir flüchten über eine Mauer in den Garten eines Mannes, der einen Dolch trägt. Immer mehr Menschen drängen auf sein Grundstück und bitten um Unterschlupf, auf dem Weg in sein Haus ersticht er sie. Mein Schlafgefährte ist tödlich an der Hüfte getroffen, ein sauberer Schnitt aus dem kein Blut fließt, doch sein Blick ist schon im Jenseits. Ich weiche zurück hinter die mageren Büsche, zertrete zarte Schachbrettlilien (Fritillaria meleagris), doch mein Versteck ist nicht sicher. Behände springt der Mann auf mich zu, schwingt die Klinge über seinem Kopf und ich sehe die blanke Schneide auf mich zukommen, spüre die Luftbewegung und dann ist Ende. Ich bin tot. Habe nichts gespürt, nur den kurzen Augenblick des Schreckens, der schon voll der Trauer war. Die Dramatik in meinem Traum amüsiert mich, es gibt allerhand zu verarbeiten.
Sonntag, 5. Juni 2011
Lord of Goldschmuck
Aus dem Schlamm hebe ich zwei goldene Ringe auf. Der eine ist unregelmäßig mit Brillis besetzt, der andere ist eine Art Siegelring mit dem Abbild unserer heiligen Frau. Hm, solch fetten Schmuck sehe ich schon mal in der U 8 kurz vorm Kotti an der Hand weißgekleiderter Dunkelhäutiger, die mindestens hundertzwanzig Kilo wiegen. Jetzt stehe ich in der Sonne, die Ringe blitzen und ich schaue mich vorsichtig um, es ist niemand in der Nähe. Ich überleg kurz, wiege das Gold in meiner Hand und bringe es kurz entschlossen zur Kasse, das hat wohl jemand verloren. Dann springe ich in den Pool und schwimme ein paar Runden. Als ich herauskomme, steht im Gegenlicht ein Mann, der mich anschaut. Er fragt nach den Ringen und berührt mich am Arm, in kürzester Zeit fließt eine Menge Energie. Andi. An den Augen erkenne ich dich, der Rest von dir sieht anders aus, doch ganz nach meinem Geschmack. Der Mann holt seine Ringe und ich frage mich, wie er und sie zusammenpassen. Abwesend zupfe ich einen Echten Haarstrang ( Peucedanum officinale) in seine Bestandteile.
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