Montag, 4. Juni 2012

Fett weg

Habe heute einige enorm interessante Tipps zum Bügeln meiner Businessklamotten erhalten - und wer hat mir die wohl gegeben? Einer, der es wissen muss, einer, der jeden Tag im feinen Zwirn in einem der Banktürme in die oberen Etagen fährt, einer, der weiß, wie man ohne die blöde chemische Reinigung Rückenfalten aus dem Jackett dämpft und die Fettflecken, die man sich mittags in der Kantine schon mal einfängt bzw. die einem einer dieser rüpelhaften Egomanen mit dem Mayo-Rucola-Wrap (Eruca sativa)  in der Hand zufügen, weil sie nicht aufpassen, wo sie hinlaufen. Dieser Banker bügelt seine Hemden selbst, das ist kaum zu glauben. Natürlich benutzt er dazu Hightechequipement, sprich ein Superduperdampfbügeleisen. Ich hätte auch gerne eine so ein Bügeleisen, kann man kaufen, ich weiß. Interessant bei diesem Thema ist natürlich, wie lange und intensiv man sich darüber mit einem Menschen unterhalten kann, bei dem man diese Art von Sachverstand gar nicht vermutet hätte. Das sind mir eigentlich die Liebsten, Underdogs in der Organisation des komplexen Alltagslebens, bei denen die lässig elegante Erscheinung das Resultat einer wohlüberlegten, kontrollierten Ablauforganisation ist ohne dass man das als Außenstehende irgendwie merkt. Cool.

Freitag, 1. Juni 2012

bad hair day

Ok ich habe IMMER eine Kappe in der Tasche für den Fall dass die Luft feuchter wird als 20 Prozent.Sobald ich aus dem Haus ins Freie trete und ein erstes Kitzeln am Haaransatz spüre, weiß ich, es sind mehr als 20 - also Kappe auf. Die ist so eine Art pretaporter Basecap, das zu meinem Frankfurt Businessoutfit passt und einen haarglättenden Effekt hat bzw. sie verhindert durch ihr enges Anliegen am Kopf, dass sich die Haare kräuseln, nachdem ich sie in aufwändger Morgentoilette geglättet habe. Meine Tochter verzeiht mir das Lockengen auch nicht, sie hat mehrere Glätteisen auch für unterwegs ein batteriebetriebenes. Neulich, als wir im Flieger saßen kam plötzlich ein freundlicher Flugbegleiter auf uns zu und bat uns diskret, einen der Koffer zu öffnen, weil da etwas vibriere. Das war der Haarglätter, der irgendwie von selbst angegangen ist. Warum sind wir nicht mit binsengeraden (Juncaceae) Haaren geboren? Das Leben wäre so viel einfacher, der Alltag leichter zu bewältigen. Ungezählte bad hair Tage so wie heute könnte ich unbeschwert verbringen ohne ständig diese dämliche Mütze zu tragen. Wenn ich wenigstens in Berlin wäre, da kümmert eine Kappe niemand, aber hier in Frankfurt ist das anders.

Mittwoch, 30. Mai 2012

adagio


Nachdem ich die beiden Schafromane gelesen habe, mahne ich mich wieder zur Mäßigung. Die widderliche Ungeduld will jegliches zukünftige Geschehen am liebsten mit Lichtgeschwindigkeit herbeiführen. Ich renne dann wie wild an der Spitze und merke erst viel später, dass hinter mir niemand mehr ist, geschweige denn neben oder bei mir. Das ist nicht lustig. Mann, ich habe so viel Energie verbrannt, für umsonst. Na ja, fast, ich bleibe in Form. Aber der Preis ist hoch. Nicht noch so ein würziges Kraut wäre ein Trost (Euphrasia). Das bedeutet warten. Ich bin ja auf den Moment gespannt, da mal eine(r) mit mir voranprescht und mir die Spitze streitig macht. Oder sie unattraktiv macht, weil das Gemeinsame viel  interessanter wird. Das bedeutet warten. Das ist widder schlecht, denn alles was ich will, ist wollen.

Dienstag, 29. Mai 2012

Blueline


Blueline
Dieses Mal suche ich dich – und finde dich nicht. In deinen Universen kenne ich mich nicht aus. Ein halbes Jahr ist vergangen und die Sprachlosigkeit hat mich zutiefst verunsichert. Unverbindliche Blicke und demütigende Routine. Dann plötzlich eine Energie, deren Quelle ich suche, ich blicke mich um und fange an zu beobachten. Warum gibst du dich nicht zu erkennen. Ich schwebe zehn Meter über mir und meine Wege sind rote Linien, die sich nicht mit anderen Wegen kreuzen. Nur eine andere  blaue Linie läuft fast parallel, mal näher mal weiter weg, wieder nah. Bist du das. Ich gewöhne mich an die Nähe, beginne sie zu vermissen, wenn sie sich nicht einstellt, gehe ich ihr entgegen. Ein einziger Augenkontakt gibt mir Nahrung für einen ganzen Tag. Du siehst völlig verändert aus. Was bedeutet das. Bist du das wirklich. Ich bin verwirrt und bald ist das Wenige nicht mehr genug. Blödes Vergissmeinnicht (Miosotis) blüht überall.

Montag, 28. November 2011

back

Ich fange jetzt wieder an zu berichten. Bin fünf Monate mit Andi in einem anderen Sonnensystem gewesen, habe Sand geatmet und Schwefel gespuckt. Trotzdem sind meine Atemwege frei und meine Augen so klar wie nie. Der Horizont ist eine Kurve. Das Dauerhoch der Schwerelosigkeit ist zu Ende, aber Andi kennt (natürlich) einen Weg, wie ich ein künstliches High erzeugen kann. Es bleibt ein Geheimnis, so lange, bis er wieder Geld braucht, um weiterzuziehen. Auf der Straße scheine ich zu leuchten wie ein Neon. Freundlich wenden sich fremde Menschen an mich mit Fragen zum Weg dort und dahin. Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt. Ich kenne mich zwar nicht überall aus, aber eine konkrete Antwort akzeptieren sie alle. Abends jongliere ich mit Mandarinen. Es duftet nach Tannen (abies).

Freitag, 12. August 2011

selfish brain


Dass das Gehirn eine eigenständige Existenz im Körper führt und den Rest seiner stofflichen Umgebung komplett durcheinanderbringt, kenne ich. Verliebt sein und Nichteinschlafenkönnen sind die besten Beispiele. Warum die Person der Begierde sich derart tief in die hinter der Netzhaut liegende Kodierung des Beuteschemas brennen muss, so dass die unfreiwillige Tätowierung bis in die Gedärme rumort, weiß nur das Gehirn. Die damit verbundene Schwierigkeit einzuschlafen, weil die Herzfrequenz auf ja, ich will, egal wie spät es jetzt ist und eigentlich haben wir uns noch gar nicht kennengelernt, getuned ist. Und obwohl ich weiß, dass hinter diesem selfish brain-Unfug meistens Andi steckt, gehe ich immer wieder in die Falle. Liege im Dämmer auf der linken Seite und mein Herz hämmert mir an die Rippen. Drehe mich auf die andere Seite, das Gehirn geht auf remote und spielt mir zum xten Male die Szene der ersten Begegnung vor. Ich vergesse sie nicht!! Macht es Sinn, mit dem eigenen Gehirn zu sprechen? Unterscheidet mich das von einer Pflanze, zum Beispiel einer fleischfressenden Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)?

Mittwoch, 20. Juli 2011

Mein Schatz

ist groß. Er kam vor geraumer Zeit unerwartet als Mädchen zur Welt, die mir meiner rosigen Erscheinung wegen einen gesunden Jungen eingeredet hat. Nun schauen alle auf diese   schöne Tochter und ich bin so stolz wie Oskar - wie sie vielleicht heißen würde wäre sie kein Mädchen geworden. Jedes Jahr Sommergeburtstage mit kichernden Mädchen und dem einen Jungen, der seit dem Kindergarten ihr bester Freund geblieben ist. Er kauft ihr ein Kleid, sie berät ihn in Beziehungsfragen, seine Freundin ist eifersüchtig auf sie, ihr Freund und er sind gute Freunde. Sie sind im gleichen Monat geboren und seine Mutter gab ihm Puppen in die Hand, die er wie Bagger einsetzt und die Erde damit aufwühlt. Wir lachen darüber was vorher ernst gemeint war, die beiden sind wie die Blütenkätzchen einer Weide (Salix), silber ist der Glanz auf ihrer Haut und ihre Unbekümmertheit ist ansteckend.